FinTechs: Chance oder Niedergang für Banken?

Fintech Financial Technology

Financial Technology Firmen (kurz FinTechs) schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie fischen im selben Teich wie Banken und Versicherungen und graben ihnen so das Geschäft ab. Diese Entwicklung könnte aber gerade für Deutschland eine Chance sein.

Es brodelt gewaltig: Laut Accenture stieg das globale FinTech Gesamtinvestitionsvolumen 2015 um 75 Prozent auf 22,5 Milliarden US Dollar an. Deutschland stach dabei besonders mit einem Wachstum von 840 Prozent hervor. Derzeit schießen sie wie Pilze aus dem Boden, doch wie viele es nun sind und wer dazu zählt, da scheiden sich die Geister. Eine Infografik von Friendsurance verschafft einen Marktüberblick. Auch wir haben uns in der Szene umgesehen: FinTechs auf der Überholspur.

Es sind nicht nur die brandneuen Ideen, die den FinTechs zum Erfolg verhelfen. Von der Geldtransfer App bis hin zum online Versicherungsmanager: Was ihnen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu tradierten Bankäusern einräumt, ist ihr schlanker und flexibler Unternehmensapparat und vor allem ihre Nutzerfreundlichkeit. Wer schafft, was Versicherungen jahrelang nicht konnten, nämlich einfach und kundenfreundlich sein, kann punkten. Dort wo Banken ihre Mittelstandsklientel lange sträflich vernachlässigt haben, grasen nun FinTechs ihre Weiden ab. Nach dem Ende der großen Spekulationsgeschäfte besinnen sich aber nun auch die Finanzriesen wieder und sehnen sich nach dem Geld des Mittelstandes. Doch ist es dafür schon zu spät?

Maik Klotz, Banking und Payment Experte, hat es treffend formuliert: „FinTech ist der Punkrock der Finanz-Industrie“. Will heißen: FinTech ist keineswegs ein Synonym für Startup aus der Finanzwelt, auch wenn es oft so verwendet wird. Es beschreibt viel mehr eine Haltung. Diese Haltung darf auch ruhig eine große Bank einnehmen.

Die meisten Banken sitzen wohl eher ängstlich vor den Punks: 95 Prozent befürchten Geschäftseinbußen und erwarten einen Verlust der Markanteile von 20 bis 30 Prozent. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hervor. Einige beginnen nach mehr Regulierung zu rufen, um so eine Entwicklung aufzuhalten, die ohnehin nicht mehr zu bremsen ist.

Wer es wagt die Schockstarre zu verlassen, der kann diese Entwicklung als Chance begreifen: FinTechs punkten mit ihrer flexiblen Unternehmensstruktur und der hohen Nutzerfreundlichkeit, oftmals fehlt ihnen aber der lange Atem. Gerade den braucht ein Startup, wenn es nicht schnell wieder in die Bedeutungslosigkeit abrutschen will. Ein Bankhaus kann hier als Kapitalgeber gut aushelfen. Erst kürzlich erhielt Kreditech eine zehn Millionen Euro Finanzspritze von der Weltbank. Auch die italienische Unicredit hat für innovative Geschäftsideen aus dem Finanzsektor einen 200 Millionen Dollar Fond Dollar Fond eingerichtet.

Aber nicht nur des Geldes wegen scheint eine Kooperation zwischen Alteingesessenen und Innovatoren sinnvoll: Eine Bank bringt auch Kunden mit. Wer auf einen Schlag tausende Leads generiert, spart viel Zeit und Geld. Nicht zu vergessen ist die Expertise der Bank in vielen Bereichen, wie etwa beim Thema Verbraucherschutz. FinTechs berücksichtigen dies oft noch zu wenig oder wollen Verbraucherschutz nicht auf Kosten der Nutzerfreundlichkeit eintauschen. Trotz aller Euphorie, sei allerdings vor einer zu großen Abhängigkeit gewarnt: Nicht selten passiert es, dass Projekte von heute auf morgen auch wieder eingestampft werden und die Mutter sich sprichwörtlich auch auf ihr Kind setzt.

Großbanken profitieren umgekehrt enorm von der hohen Innovationskraft kleiner Unternehmen – etwas, das in verkrusteten Strukturen nur schwer oder gar nicht in die Gänge kommt. Die britische Bank Barclays, die Schweizer UBS und der Züricher Börsenbetreiber sollen Jungunternehmer bereits in ihre Labore locken. Auch die Deutsche Bank springt in ihre digitale Zukunft und will bis 2020 750 Millionen Euro investieren. Bereits drei „Innovation Labs“ wurden in Berlin, im Silicon Valley und in London eröffnet. Nummer vier öffnet im Herbst 2016 in New York seine Pforten. Damit wollen sie bei großen Würfen in der ersten Reihe stehen. Doch es ist noch viel mehr als das. Banken müssen darauf reagieren, dass ihre Kunden ihre Geschäfte zunehmend im Web erledigen. Es ist endlich ihre Chance, auf diesen Zug aufzuspringen.

FinTechs sind besonders für Deutschland eine Chance: Nach dem Brexit Votum dürfte London als Marktplatz zunehmend an Attraktivität verlieren. Deutschland, allen voran Berlin, Hamburg und Frankfurt, haben beste Chancen sich als Hubs für FinTechs zu etablieren. Vom 10.-14. Oktober 2016 findet in Hamburg erstmals eine FinTech Week statt. Mehr als 2.000 Player diskutieren Trends und formen den Markt der Zukunft.

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